Ein Jahr nach Agenturgründung sind wir immer noch jung und brauchen das Geld. Aber letzte Woche haben wir trotzdem einen Pitch abgesagt. Ein bisschen deshalb, weil Etat-Größe und genaue Aufgabenstellung erst nach Zusage genannt werden sollte. Ein bisschen deshalb, weil vier Agenturen pitchen – zwei davon mit dem Marketingleiter befreundet, zwei davon mit der Brand Marketing Managerin.

Ein bisschen deshalb, weil er unbezahlt war.

Ganz sicher aber deshalb, weil wir keine Spielverderber sind!

Seit 15 Jahren arbeite ich in Agenturen. Pitches waren und sind für mich immer etwas Magisches. Egal ob als Junior oder CD. Ob festangestellt oder frei gebucht. Pitchvorbereitungen sind eine Mischung aus Verzweiflung und Hochgefühl. Und je später der Abend, je voller der Papierkorb, je höher der Pizzen-Karton-Stapel – desto mehr entwickelt sich die Stimmung im Team zu einem Best-of aus Gladiator, Stand-Up-Comedy und Das Boot.

Ich fand Pitches immer großartig. Die gewonnenen – und auch die verlorenen. Manchmal martert einen nach einer Party eben der Kater. Das heißt nicht, dass die Feier schlecht gewesen ist. Hin und wieder ist aber von vornherein abzusehen, dass man besser zuhause bleibt und die Ressourcen schont. Immer dann, wenn klar ist, dass dieser spezielle Pitch einen nicht nur einen Haufen Zeit und Geld kostet – sondern auch den Glauben an diese eigenartige „Pitch-Magie“.

Das macht keinen Spaß. Diese Investition lohnt sich nicht. Das ist nicht zumutbar – weder dem Team, noch den Anführern.

Ich will hier gar nicht in das Lamento über unbezahlte Pitches einstimmen. Das haben andere schon besser hingekriegt. Ich persönlich stehe auf dem Standpunkt, dass „Vortanzen“ manchmal dazu gehört. Und das tun wir auch und werden es auch weiterhin tun.

Wir sind im letzen Jahr mehr als einmal in Vorleistung gegangen. Immer dann, wenn es darum ging, bei Unternehmen zu punkten, die aus unserem Portfolio keine Kompetenz für ihre spezielle Branche ableiten konnten. Das haben wir auch zum Nulltarif gemacht. Auf Basis einer klaren Aufgabenstellung und eines eindeutigen Commitments. Und in allen diesen Fällen war das Ergebnis erfolgreich! Wir konnten so einen der größten Gesellschaftspiele-Verlage Deutschlands für uns gewinnen, einen Sprach-Verlag von uns überzeugen und die Beziehungen zu einem weiteren Verlag vertiefen.

Das wichtigste Kriterium ist und bleibt aber, dass meine Partner und ich in all diesen Fällen das Gefühl hatten, dass auf der anderen Seite ein echtes Interesse darin bestand, uns kennenzulernen: Die Rahmenparameter wurden genau besprochen – Ziele definiert, Erwartungen artikuliert und die Kriterien für den Gewinn eindeutig festgelegt.

Auf dieser Basis stellen wir uns gerne Herausforderungen. Wir sind jung und brauchen das Geld – aber wir lassen weder uns noch unserem Team die Freude an diesem Beruf kaputt machen.