Eigentlich sollte ich bei 35° im Schatten mit meiner Familie am griechischen Strand sitzen und den Urlaub genießen – doch dann kam alles ganz anders…

Für unseren erst kürzlich per Pitch gewonnenen Kunden Casio hieß es, die von uns entwickelte Story nun auch in Video und Foto zu gießen, um die Kampagne für Herbst/Winter 2014 mit beeindruckendem Material bestücken zu können. Und so führte mich mein Job in den hohen und spürbar kälteren Norden, die Färöer Inseln, gelegen zwischen den Shetlands und Island inmitten des rauen Nordatlantik. Denn rau wollten wir es haben, schließlich bewerben wir keine filigranen Schmeichelchronographen, sondern toughes Arbeitsgerät in Form von sehr ernst zu nehmenden Pilotenuhren.

So begab ich mich also mit Regisseur und Producer mitten im heißen Hamburger Juli via Kopenhagen nach Vagar Airport auf den Färöern. Dieser erste Trip startete gleich mit einer mittelschweren Tortur und gab uns einen eindrucksvollen Hinweis auf das uns erwartende Wetterrisiko, denn unser Flug von Kopenhagen nach Vagar war um immerhin acht Stunden (ACHT!) verspätet. Seit diesem Tag kenne ich den Flughafen in Kopenhagen wie meine Westentasche.

Aber einmal angekommen auf den Färöern nahm alles einen so unglaublich guten Lauf, wie ich es in meinen kühnsten Träumen nicht zu träumen gewagt hätte.

Neben strömendem Regen und einer wirklich atemberaubenden Landschaft erwartete uns auch mein Bruder, unser Location Scout, der nicht nur fließend Dänisch, eine der Amtssprachen dort, beherrscht, sondern auch mehrere Monate auf den Färöern gelebt und dort Teile der Helicopter Division in erweiterter Erster Hilfe ausgebildet hat. So war er über diesen persönlichen Kontakt auch ein wertvoller Garant für das Gelingen unseres Projektes.

Schon bei dieser Vorbereitungsreise fühlten wir uns insbesondere von Atlantic Airways wärmstens aufgenommen. Mit jedem Vorgespräch wuchs unsere Zuversicht, dass wir es nicht nur mit Profis zu tun hatten, sondern auch mit unglaublich freundlichen, höflichen Menschen, die bereit waren, alle Hebel für uns in Bewegung zu setzen. Diesen ersten Trip vollendeten wir dann mit einem fantastischen Helikopterflug an der Westküste der Färöer entlang, bei dem wir auch schon erste Probeaufnahmen und Fotos machen konnten. Mein erster Heliflug – und gleich mit offener Tür direkt vor meinen Füßen…

Als wir im August – nun mit dem kompletten, wenn auch sehr kleinen Team – wieder zurückkamen, fanden wir wieder alles optimal vor. Bis auf das Wetter: Statt rauer Bedingungen boten uns die Färöer nach Aussage eines Einheimischen den heißesten Sommer seit 80 Jahren. Der strahlende Sonnenschein bei ruhigem Wasser und nur leichtem Wind hätte uns fast einen Strich durch die Rechnung gemacht. Doch alles andere stimmte eben zu mehr als 100%. Unsere Freunde von Atlantic Airways haben uns nicht nur tagelang in ihrem Hangar geduldet, uns jederzeit über den Flughafen von Vagar eskortiert, jeden unserer Wünsche erfüllt und alles für den Erfolg des Projekts getan, sie haben uns auch noch eine wirklich eindrucksvolle Demonstration in Sachen SAR Flights gegeben. Die Vorstellung, dass dieses Team dort Menschen rettet, selbst wenn die Bedingungen extrem und gefährlich sind, lässt mich im Umkreis der Färöer gelassen auf jede Seenot schauen. Diese Männer fliegen pro Jahr etwa 50 wirklich ernste Einsätze. Chapeau und meinen tiefsten Respekt!

Aber auch unsere weiteren Darsteller und Helfer haben einen unglaublich guten Job gemacht und für ein so gutes Ergebnis gesorgt. Allen voran Magnus, der Skipper, der in Seenot geraten war. Aus reiner Lust und Freude hat er zusammen mit seinem Kumpel einen 14-Stunden-Tag auf dem Wasser zugebracht, mit kabbeligem Wellengang und Seekrankheit und trotzdem grandiosem Einsatz bei den Dreharbeiten!

Zu nennen ist natürlich auch Jogvan, der im MRCC, dem Maritime Rescue Coordination Center, in Torshavn für uns den Notruf von Magnus entgegennahm und einen sehr überzeugenden Job für uns gemacht hat.

An der Rettungswinde stand Oben wie ein Baum und hat den Rescue Diver Høgni zigfach am Seil abgelassen und wieder raufgezogen. Unser vermeintliches Opfer, Ragnar, hat das Retten an der Winde klaglos und ebenfalls zigfach über sich ergehen lassen. Der Skipper des lokalen SAR Bootes hat unseren Plan gerettet, indem er das Kamerateam mit Vollgas raus zu Magnus und wieder sicher in den Hafen gebracht hat. Und der lokale Händler für Segel- und Fischerbedarf hat uns fast 30 Rauchbomben einfach geschenkt, einzige Bedingung: Er wollte den Film einmal sehen, wenn er fertig sei!

Besonderer Dank gilt aber natürlich Andreas, unserem Pilot in Charge, sowie Anfinn, seinem Copiloten, die uns eine so unfassbar große Hilfe waren. Danke, Ihr seid unsere wahren Helden! Und genau derselbe große Dank gilt Hans Erik, dem Director der Helicopter Division von Atlantic Airways, der all dies überhaupt erst möglich und zu einem perfekten Erlebnis für uns gemacht hat.

Als wir dann Mitte August nach sechs Tagen auf den Färöern wieder abreisten, hatte ich nicht nur auf unseren Festplatten das perfekte Material mit dabei, sondern auch das Gefühl, Abschied zu nehmen von Freunden, die ich gern, sehr gern, eines Tages wieder besuchen möchte…

Das großartige Team, mit dem wir vor Ort geschuftet haben, sei zum Abschluss natürlich auch genannt. Danke auch Euch, Lutz, Thomas, Matthias, Fritz, Dennis und Christian! Und danke Harald und Tanida-san, die Uhrenflüsterer und natürlich Auftraggeber!